Kein „Tag der Bundeswehr“

Gemeinsame Anfahrt zu den Protesten gegen den „Tag der Bundeswehr“ in Pfullendorf

Samstag, 15. Juni | 9 Uhr | Bahnhof VS-Schwenningen

Und Action“ – mit diesen ersten Worten wird der „Tag der Bundeswehr“ in der Kaserne in Pfullendorf beworben. Der „Tag der Bundeswehr“ wird als riesiges PR-Event gestaltet und verkauft. Das Drehbuch ist auch schon klar: Es soll das Bild von einem abenteuerlustigen Haufen inszeniert werden der für das gute kämpft. Was dabei untergehen soll: es geht nicht um Actionfilme, abgesicherte Stunts und Abenteuerlust, es geht um Krieg, um reales töten und sterben für geostrategische Interessen, Marktzugänge und Einflussgebiete.

Die Staufer-Kaserne in Pfullendorf war vor einiger Zeit schon einmal in den Medien. Es wurde von erniedrigenden Ritualen, Mobbing, sexistischen und rassistischen Übergriffen berichtet. Ende des letzten Jahres tauchten auch Informationen über das rechte, militante Uniter-Netzwerk auf, das Waffenlager anlegt und sich auf die Ermordung politischer GegnerInnen vorbereitet. Viele Milglieder des Netzwerks sind Elitesoldaten des Kommando Spezialkräfte, die u.a. in Pfullendorf ausgebildet wurden.

Dieses Jahr soll die Skandalkaserne in Pfullendorf wieder aus dem Dreck gezogen werden. Am Tag der Bundeswehr stehen die Kasernentore „offen“ für ein Publikum und eine Presse, die man mit Showeffekten und Freizeitpark-Atmosphäre bezirzen will. Vor allem Kindern wollen sie etwas bieten. Sie dürfen Militärgerät besteigen, wie das Klettergerüst auf dem Spielplatz. Vielleicht vergessen darüber ja alle, dass am selben Ort junge Menschen systematisch gequält, beleidigt und erniedrigt wurden.

Doch das PR-Event „Tag der Bundeswehr“ nur alleine zu betrachten ist zu kurz gegriffen. Dieser Tag ist nur ein Teil in den Veränderungen der geostrategischen und kriegspolitischen Linien des deutschen Staates. Die weltweite Konkurrenz um Einflussgebiete, Absatzmärkte, Rohstoffe und geostrategische Schlüsselpositionen spitzt sich zu. Deutschland will sich in dieser Konkurrenz behaupten und vor allem der deutschen Wirtschaft günstige Ausgangsbedingungen für weiteren, ungehemmten Profitwachstum ermöglichen.

Die militärischen Konsequenzen daraus: Deutschland führt im Moment offiziell in 12 Ländern Krieg, in weiteren Ländern sind Soldaten ohne Bundestagsmandat zu „Ausbildungsmissionen“; Aussetzung der Wehrpflicht und Umbau der Bundeswehr zu einer professionellen Berufs- und Kriegsarmee für Auslandseinsätze; Aufbau einer EU-Armee unter deutscher Führung; Massenhaftes Werben an Schulen, Ausbildungsmessen, etc. um Nachwuchs für die Kriegsarmee zu rekrutieren; Öffentliche Werbeauftritte mit dem Ziel die Bundeswehr als normalen Teil dieser Gesellschaft zu verkaufen und die Zustimmung zu den Kriegseinsätzen zu erhöhen.

Noch immer ist die übergroße Mehrheit der Bevölkerung gegen die Kriegseinsätze. Mit Selbstinszenierungen wie dem „Tag der Bundeswehr“ soll langfristig die Bundeswehr als Kriegsarmee im Auslandseinsatz weiter normalisiert und Mehrheitsfähig gemacht und der Widerstand dagegen geschwächt werden. Umso wichtiger ist es genau hier unseren Protest dagegen zu zeigen.